Lisa Müller: Daten sind das Fundament unserer Arbeit, aber gleichzeitig eine kontinuierliche Herausforderung. Wir nutzen drei Hauptkategorien von Daten: Umweltdaten (Ökobilanzen, Klimadaten, Ökosystemparameter), technische Daten (Material- und Bauteilperformanz, Energiesysteme) und Nutzungsdaten (menschliches Verhalten, soziale Interaktion, Komfortparameter).
Die größte Herausforderung bei Nachhaltigkeitsdaten ist ihre Heterogenität und unterschiedliche Granularität. Ökobilanz-Datenbanken verwenden verschiedene Systemgrenzen und Methodiken, was die Vergleichbarkeit erschwert. Wir haben deshalb eigene Normalisierungsalgorithmen entwickelt, die diese Unterschiede ausgleichen und konsistente Parameter für unsere generativen Modelle erzeugen.
Bezüglich Algorithmic Bias haben wir mehrere Ansätze implementiert. Erstens trainieren wir unsere Modelle mit bewusst diversen Datensätzen, die verschiedene geografische, kulturelle und sozioökonomische Kontexte abdecken. Zweitens integrieren wir explizite Fairness-Parameter in unsere Optimierungsalgorithmen, die auf soziale Gerechtigkeit und gleichen Zugang zu Ressourcen abzielen.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Transparenz unserer Modelle. Wir entwickeln "explainable AI"-Lösungen, die nachvollziehbar machen, wie Entscheidungen zustande kommen. Dies ist entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und eine kritische Evaluation der generierten Designs zu ermöglichen.
Um Datenlücken zu überbrücken, kombinieren wir verschiedene Strategien: Wir nutzen Transfer Learning, um Erkenntnisse aus datenreichen auf datenarme Domänen zu übertragen, synthetische Daten für Szenarien, zu denen keine Realdaten vorliegen, und kollaborative Datenplattformen, auf denen Organisationen anonymisierte Nachhaltigkeitsdaten teilen können.
Langfristig arbeiten wir an dezentralen Datenökosystemen, in denen Gebäude kontinuierlich Performance-Daten in standardisierten Formaten generieren und in einen kollektiven Wissenspool einspeisen. Diese "Learning Buildings" werden eine empirische Basis für immer präzisere generative Nachhaltigkeitsmodelle schaffen.